
The Smashing Pumkins (c) Lisa Johnson
Die Geschichte der Smashing Pumpkins ist nicht zuletzt auch die Geschichte des Billy Corgan, einer der wohl charismatischsten Figur des Rock der vergangenen zwanzig Jahre. Ein Mann der immer wieder auf dem Grat zwischen Genie und Wahnsinn balancierte, mal als der größte Unsympath des Rock-Zirkus auftritt, um dann wieder den sensiblen Visionär herauszukehren.
Wir schreiben das Jahr 1987, die Wörter Grunge und Alternative sind noch nicht erfunden, als in Chicago der 20-jährige Billy Corgan und der 19-Jährige James Iha an ihren ersten Songs basteln. Das Schlagzeug wird zu dem Zeitpunkt noch von einer Drummachine gespielt, auf den Bass verzichten die beiden völlig. Auf einem Konzert lernt Corgan D’Arcy Wretzky kennen und engagiert sie geradeheraus als Bassistin, und kurz darauf wird die Band mit Jimmy Chamberlin am Schlagzeug komplettiert. Die „klassische“ Smashing-Pumpkins-Besetzung ist geboren und debütiert am 5. Oktober 1988 in Chicago.

Manchmal war es sogar lustig! (c) Danny Clinch
Es soll noch drei Jahre dauern bis das Debüt-Album „Gish“ 1991 das Licht der Welt erblickt. Hinter den Reglern wacht kein Geringerer als Butch Vig, der direkt im Anschluss mit einer weiteren Newcomer-Band namens Nirvana ins Studio zu gehen und ein Album namens „Nevermind“ zu produzieren. Hier beginnt auch die Geschichte des Grunge-Missverständnisses. „Gish“ ist allerdings nicht mehr als ein erstes Lebenszeichen, insgesamt wirken die Songs eher hippelig, doch Stücke wie das elegische „Rhinoceros“ oder „I Am One“ zeigen, wozu die Band noch in Zukunft fähig sein wird.
Die Zukunft beginnt 1993, inzwischen ist Grunge das große Ding, und passendweise produziert Butch Vig auch das zweite Album „Siamese Dreams“. Der Grunge-Hype ist gerade auf dem Höhepunkt, als die Pumpkins der Rock-Welt das vermutlich wichtigste Werk ihre Bandgeschichte gelinde gesagt um die Ohren hauen. Epochale Gitarrenwände, Wut, Melancholie und tiefste Verzweiflung prägen „Siamese Dreams“, dessen Geburt eine wahrlich schwierige ist. Die Stimmung im Studio ist höchst gereizt, Corgan selber gibt sich vermehrt Suizid-Gedanken hin, was er wiederum auf geniale Weise in „Today“ verarbeitet. Trotz allem, oder gerade deswegen gilt „Siamese Dreams“ nach wie vor als eine der besten Rock-Platten ever, bei Songs wie „Mayonaise“ oder „Hummer“ geht noch heute so mancher auf die Knie.
Gleichzeitig kommen die bösen, illegalen Substanzen vermehrt ins Spiel, mitunter bricht die Band Konzerte mitten im Song ab, weil nix mehr geht, und vor allem Schlagzeuger Chamberlin konsumiert mehr Rauschmittel als ihm gut tun. 1995 versucht die Band mit einer Doppel-CD an den Erfolg von „Siamese Dreams“ anzuknüpfen, was, zumindest in puncto Verkaufszahlen, auch gelingt: „Mellon Collie and the Infinite Sadness“ schafft es auf Platz Eins der Billboard Charts und mit „1979“ und „Tonight, Tonight“ hat die Band sogar zwei veritable Hits vorzuweisen. Doch die anschließende Tour wird zum Horrortrip: In Dublin wird ein Fan zu Tode gequetscht, bald darauf setzten sich der Tour-Keyboarder Jonathan Melvoin und Jimmy Chamberlin eine Überdosis Heroin – Melvoin stirbt, Chamberlin überlebt, fliegt aber aus der Band.

... erste Anzeichen von Größenwahn? (c) Anton Corbijn
Die Band steht nun ohne Drummer da, passender Ersatz will sich einfach nicht finden lassen. Das wirkt sich auch auf den Sound der Pumpkins aus: „Adore“, das 1998 erscheint, kommt elektronischer und avantgardistischer daher, der Beat kommt entweder aus dem Drumcomputer oder von Gast-Trommlern wie Matt Cameron von Soundgarden. Die Fans reagieren etwas verstört, trotzdem erreicht das Album Platz Zwei der Charts. Doch es wird allen Beteiligten klar, dass es ohne Chamberlin nicht geht und so sitzt dieser bei „Machina/The Machines of God“ Anfang 2000 bereits wieder hinter der Schießbude. Doch das Album floppt, das Werk zeigt auch Erscheinungen von Altersmüdigkeit, und zu allem Überdruss verlässt Bassistin D’Arcy Wretzky die Band. Im Mai 2000 verkündet der entnervte Corgan schließlich die Auflösung der Band, im Dezember desselben Jahres wird das Kapitel mit zwei Abschiedskonzerten endgültig beendet.
Corgan versucht mit Zwan, wo auch Chamberlin wieder trommelt, eine würdige Nachfolgeband an den Start zu bringen, doch auch hier ist nach dem ersten Album schon Schluss, James Iha verdingt sich derweil als Gitarrist bei A Perfect Circle, und auch Chamberlin versucht sich, wenn auch mehr schlecht als recht, als Solo-Musiker. 2005 erscheinen in zwei Chicagoer Tageszeitungen ganzseitige Anzeigen von Billy Corgan, in denen er sagt, dass es ein Fehler war die Smashing Pumkins aufzulösen. „I want my band back, and my songs, and my dreams,” gibt der Musiker zu und soll es dann auch kommen: 2007 erscheint mit “Zeitgeist” wieder ein neues Album, mit an Bord ist wieder Jimmy Chamberlin, Iha und Wretzky haben abgewinkt. Trotzdem wird das Comeback von Kritikern und Fans gefeiert, die Band geht erstmals wieder auf Tournee.
2009 dann die Nachricht, dass Chamberlin mal wieder ausgestiegen ist. Doch diesmal schmeißt Corgan nicht die Flinte ins Korn, sondern stürzt sich in die Arbeit und haut so viele Songs raus, dass an ein normales Album nicht mehr zu denken ist. „Teargarden By Kaleidyscope“ wird das etwas größenwahnsinnige Projekt aus anfangs 44 Songs, die nur per Internet zu beziehen sind, getauft, einen Ausschnitt kann man schließlich doch als CD käuflich erwerben. Als weiterer Teil des Projektes ist schließlich „Oceania“ gedacht, das als Album zwar bereits im September erscheinen sollte, dessen Veröffentlichung aber nun erst 2012 angekündigt ist. Vermutlich muss Monsieur Corgan noch ein bisschen drüber brüten …